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Sodium Laureth Sulfate: Wie bedenklich ist SLES im Duschgel wirklich?

Aktualisiert am von der Redaktion duschgel.net

Sodium Laureth Sulfate (SLES) ist das häufigste Haupttensid in Duschgels und gilt in kosmetischen Konzentrationen als sicher. Es reinigt gründlich und ist deutlich milder als das verwandte Sodium Lauryl Sulfate (SLS), kann sehr trockene oder empfindliche Haut aber spürbar entfetten. Hier erfährst du, wie sich SLES und SLS unterscheiden, was an den gängigen Mythen dran ist und wann eine sulfatfreie Alternative sinnvoll ist.

Was ist Sodium Laureth Sulfate?

Sodium Laureth Sulfate ist ein anionisches Tensid, also eine waschaktive Substanz mit negativ geladenem Kopf. Es wird meist aus Fettalkoholen hergestellt, die aus Kokos- oder Palmkernöl stammen. Die Abkürzung SLES steht für den englischen Namen, in der INCI-Liste findest du immer die ausgeschriebene Form „Sodium Laureth Sulfate“.

Im Duschgel übernimmt SLES drei Aufgaben: Es löst Fett und Schmutz, erzeugt einen stabilen, cremigen Schaum und lässt sich mit Kochsalz leicht zu der gewohnten gelartigen Konsistenz verdicken. Dazu ist es günstig und gut erforscht. Das erklärt, warum es in einem Großteil der Drogerie-Duschgels, Shampoos und Flüssigseifen an zweiter Stelle der INCI-Liste steht, direkt hinter Wasser.

Wie SLES im Vergleich zu anderen Waschsubstanzen einzuordnen ist, zeigt der Ratgeber Tenside im Duschgel.

SLES und SLS: der entscheidende Unterschied

Die Namen unterscheiden sich nur in zwei Buchstaben, die Stoffe in ihrer Hautverträglichkeit deutlich. SLES entsteht aus SLS-Vorstufen durch einen Zwischenschritt, die sogenannte Ethoxylierung. Dabei werden kurze Ketten aus Ethylenoxid an das Molekül angehängt. Das „eth“ im Namen Laureth steht genau dafür.

Durch diese Ketten wird der wasserliebende Kopf größer. Das Molekül dringt weniger leicht in die Hornschicht ein und bindet schwächer an Hauteiweiße. Das Ergebnis ist eine spürbar mildere Waschsubstanz.

MerkmalSodium Lauryl Sulfate (SLS)Sodium Laureth Sulfate (SLES)
HerstellungSulfatierung von Laurylalkoholzusätzlich ethoxyliert
Hautverträglichkeitstark entfettend, reizt häufigerdeutlich milder
Einsatz in der ForschungStandardsubstanz für gezielte Reizversuchekein Reizstandard
Typisch inZahnpasta, Reinigungsmittel, selten in DuschgelDuschgel, Shampoo, Flüssigseife
Schaumstarkstark, cremiger

Wer in Ratgebern liest, dass „Sulfate die Haut reizen“, sollte genau hinschauen, welcher Stoff gemeint ist. Viele Studien zur Hautreizung beziehen sich auf SLS, nicht auf SLES.

Mythen und Fakten rund um SLES

Ist SLES krebserregend?

Nein. Für diese oft im Internet verbreitete Behauptung gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Weder SLES noch SLS werden von Fachbehörden als krebserregend eingestuft.

Was hat es mit 1,4-Dioxan auf sich?

Bei der Ethoxylierung kann in Spuren 1,4-Dioxan als Nebenprodukt entstehen. Dieser Stoff ist als Kosmetikinhaltsstoff in der EU verboten und gilt als möglicherweise krebserregend. Technisch unvermeidbare Spuren sind nur erlaubt, wenn das Produkt dennoch sicher ist. Hersteller reinigen das Rohmaterial deshalb nach der Herstellung. Für Verbraucher ist das Thema bei regulären Produkten aus dem EU-Handel kein Grund zur Sorge, auch weil Duschgel abgespült wird.

Dringt SLES in den Körper ein?

SLES wirkt an der Hautoberfläche und wird beim Abspülen größtenteils entfernt. Es reichert sich nicht im Körper an. Die Diskussion um Hautdurchlässigkeit betrifft vor allem die Frage der Reizung, nicht eine Belastung des Organismus.

Ist SLES schlecht für die Umwelt?

SLES gilt als gut biologisch abbaubar und wird in Kläranlagen weitgehend abgebaut. Für die Umweltbilanz eines Duschgels sind Rohstoffherkunft, etwa Palmkernöl, und Verpackung bedeutsamer. Wer zusätzlich auf Kunststoffpolymere in der Formel achten möchte, findet Hinweise unter Duschgel ohne Mikroplastik.

Wie verträglich ist Sodium Laureth Sulfate für die Haut?

Für die meisten Menschen mit normaler Haut ist ein Duschgel mit SLES gut verträglich. Entscheidend ist die Formulierung: Hersteller kombinieren SLES fast immer mit einem milden Co-Tensid wie Cocamidopropyl Betaine. Das Gemisch ist deutlich hautfreundlicher als SLES allein, weil sich gemischte Mizellen bilden und weniger freie Tensidmoleküle mit der Haut in Kontakt kommen.

Spürbar wird die entfettende Wirkung bei trockener, empfindlicher oder vorgeschädigter Haut, bei sehr häufigem oder langem heißem Duschen und bei hoher Dosierung. Typische Zeichen sind ein Spannungsgefühl nach dem Abtrocknen, raue Stellen an Schienbeinen und Unterarmen oder Juckreiz im Winter. Echte Allergien gegen SLES sind dagegen sehr selten. Reaktionen auf ein Duschgel gehen viel häufiger auf Duftstoffe oder Konservierer zurück.

So erkennst du SLES und wann du Alternativen wählen solltest

In der INCI-Liste steht SLES als „Sodium Laureth Sulfate“, gelegentlich auch in Varianten wie „Ammonium Laureth Sulfate“ oder „Magnesium Laureth Sulfate“. Seine Position verrät viel: An zweiter Stelle ist es das Haupttensid. Folgen direkt dahinter Betain oder Glucoside, ist die Formel milder abgestimmt. Wie du solche Listen schnell einordnest, erklärt die Anleitung INCI-Liste lesen.

Achte auch auf das Kleingedruckte bei Werbeaussagen. Die Aufschrift „ohne SLS“ bedeutet nur, dass Sodium Lauryl Sulfate fehlt. SLES kann trotzdem enthalten sein. Erst „sulfatfrei“ schließt beide Stoffe aus, sagt aber noch nichts darüber, wie mild die Ersatztenside tatsächlich sind.

Eine sulfatfreie Alternative lohnt sich, wenn deine Haut nach dem Duschen regelmäßig spannt, wenn du zu Ekzemen neigst oder sehr empfindliche Haut hast oder wenn du einfach eine besonders milde Reinigung bevorzugst. Ersatzstoffe sind Aminosäure-Tenside, Isethionate und Zuckertenside. Mehr dazu im Ratgeber sulfatfreies Duschgel. Oft hilft aber schon ein Wechsel zu einer Duschcreme mit mehr Rückfettern oder eine kürzere, kühlere Dusche.

Wer sich auch über andere Stoffe Gedanken macht, die in Duschgel diskutiert werden, findet in den Ratgebern Duschgel ohne Parabene und der Übersicht Duschgel-Inhaltsstoffe eine sachliche Einordnung.

Häufige Fragen

Ist Sodium Laureth Sulfate schädlich?

In den in Duschgel üblichen Konzentrationen gilt Sodium Laureth Sulfate als sicher. Es kann trockene oder empfindliche Haut entfetten, ist aber nicht krebserregend und reichert sich nicht im Körper an. Bei Hautproblemen ist eine mildere, sulfatfreie Formel eine Option.

Was ist der Unterschied zwischen SLS und SLES?

SLES ist eine ethoxylierte Form von SLS. Durch die angehängten Ethylenoxid-Ketten wird das Molekül größer und deutlich milder zur Haut. SLS ist stärker entfettend und kommt heute in Duschgel selten als Haupttensid vor.

Kann man gegen SLES allergisch sein?

Echte Allergien gegen SLES sind sehr selten. Häufiger sind Reizungen durch zu starke Entfettung, vor allem bei trockener Haut. Reaktionen auf Duschgel gehen meist auf Duftstoffe oder Konservierer zurück.

Ist SLES in Naturkosmetik erlaubt?

Die großen Naturkosmetik-Siegel lassen ethoxylierte Stoffe wie SLES in der Regel nicht zu. Dort werden stattdessen Tenside wie Sodium Coco-Sulfate, Glucoside oder Aminosäure-Tenside verwendet. Naturkosmetik ist allerdings gesetzlich nicht definiert, die Regeln hängen vom jeweiligen Siegel ab.