Methylisothiazolinone (MIT) im Duschgel: Allergierisiko und EU-Grenzwerte
Methylisothiazolinone, kurz MIT oder MI, ist ein Konservierungsstoff, der in den 2010er-Jahren eine regelrechte Welle von Kontaktallergien ausgelöst hat. In Duschgel und anderen abwaschbaren Produkten ist er in der EU heute nur noch bis 0,0015 Prozent erlaubt, in Cremes und Lotionen gar nicht mehr. Hier erfährst du, warum der Stoff problematisch ist, wie du ihn erkennst und was du bei einer MIT-Allergie beachten solltest.
Was ist Methylisothiazolinone?
Methylisothiazolinone ist ein synthetischer Konservierungsstoff aus der Gruppe der Isothiazolinone. Er hemmt das Wachstum von Bakterien und, in Kombination mit anderen Stoffen, auch von Pilzen. Schon sehr geringe Mengen reichen für die Wirkung, was ihn für Hersteller günstig und einfach einsetzbar macht.
In Kosmetik begegnet er dir in zwei Formen. Als Einzelstoff steht er als Methylisothiazolinone in der INCI-Liste. Als Gemisch mit dem verwandten Stoff Methylchloroisothiazolinone (MCI) wird die Kombination oft als MCI/MI bezeichnet. Dieses Gemisch ist schon länger nur noch für abwaschbare Produkte zugelassen.
MIT ist nicht auf Kosmetik beschränkt. Er steckt auch in Spülmitteln, Reinigern, Wandfarben, Klebstoffen und Kühlschmierstoffen. Das ist für Allergiker wichtig, denn eine Sensibilisierung kann auch über diese Produkte entstehen.
Warum MIT als Kontaktallergen gilt
Methylisothiazolinone ist ein starkes Kontaktallergen. Das bedeutet: Bei wiederholtem Hautkontakt kann das Immunsystem lernen, auf den Stoff zu reagieren. Ist eine Sensibilisierung eingetreten, reagiert die Haut schon auf kleinste Mengen mit Rötung, Juckreiz, Bläschen oder Ekzem. Die Allergie bleibt in der Regel dauerhaft.
Um das Jahr 2010 ersetzten viele Hersteller Parabene und andere Konservierer durch MIT, auch in Feuchttüchern, Cremes und Deos. Die Folge war ein deutlicher Anstieg von Kontaktallergien in vielen Ländern. Die American Contact Dermatitis Society kürte Methylisothiazolinone 2013 zum „Allergen des Jahres“, Hautkliniken berichteten über stark steigende Zahlen positiver Epikutantests.
Besonders kritisch waren Produkte, die auf der Haut verbleiben. In abwaschbaren Produkten ist die Kontaktzeit kürzer, das Risiko aber nicht null. Wer bereits sensibilisiert ist, kann auch auf ein Duschgel oder Shampoo mit MIT reagieren, vor allem an Händen, Gesicht und Hals.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Reizung und Allergie. Eine Reizung durch zu häufiges oder zu heißes Duschen klingt ab, sobald du die Belastung reduzierst. Eine Kontaktallergie dagegen kehrt bei jedem erneuten Kontakt mit dem Auslöser zurück, oft verzögert nach ein bis zwei Tagen. Genau diese Verzögerung macht es schwer, den Zusammenhang mit einem bestimmten Produkt selbst zu erkennen.
EU-Regulierung: Was heute erlaubt ist
Die EU hat die Verwendung von MIT und MCI/MI in mehreren Schritten eingeschränkt. Grundlage ist die Kosmetikverordnung (EG) 1223/2009, deren Anhang V alle zugelassenen Konservierungsstoffe mit Grenzwerten auflistet.
| Stoff | Leave-on (Creme, Lotion, Deo) | Rinse-off (Duschgel, Shampoo) |
|---|---|---|
| Methylisothiazolinone (MIT) | seit 2017 verboten | maximal 0,0015 % |
| MCI/MI-Gemisch | verboten | maximal 0,0015 %, nur in Rinse-off erlaubt |
Zur Einordnung: 0,0015 Prozent entsprechen 15 Milligramm pro Kilogramm Produkt. Der frühere Höchstwert für MIT lag um ein Vielfaches höher. Die Verschärfung geht auf Bewertungen des wissenschaftlichen Ausschusses für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) zurück, der bei höheren Konzentrationen kein ausreichend sicheres Niveau für die Auslösung von Allergien sah.
Viele Hersteller haben MIT inzwischen ganz aus ihren Duschgels entfernt und werben teils mit dem Hinweis „ohne MIT“ oder „ohne Isothiazolinone“. Vollständig verschwunden ist es aber nicht, und in Haushaltsprodukten gelten andere Regeln als in Kosmetik.
So erkennst du Methylisothiazolinone in der INCI-Liste
Konservierungsstoffe stehen wegen ihrer geringen Menge meist am Ende der Liste. Suche nach diesen Bezeichnungen:
- Methylisothiazolinone als Einzelstoff
- Methylchloroisothiazolinone, fast immer zusammen mit Methylisothiazolinone
- in Datenblättern und Fachliteratur auch die Kürzel MIT, MI, MCI/MI oder CMIT/MIT
Auf Kosmetik muss der INCI-Name stehen, Kürzel reichen nicht. Bei Reinigungs- und Waschmitteln funktioniert die Kennzeichnung anders: Dort werden Konservierungsmittel auf der Verpackung oder in einem online abrufbaren Inhaltsstoffverzeichnis genannt. Wie du Inhaltsstofflisten systematisch liest, erklärt unsere Seite zu den Duschgel-Inhaltsstoffen.
Leben mit MIT-Allergie: Darauf achtest du
Wenn ein Epikutantest eine Allergie gegen Methylisothiazolinone bestätigt hat, reicht es nicht, nur das Duschgel zu wechseln. Prüfe deine gesamte Routine und deinen Haushalt.
- Kosmetik: Shampoo, Duschgel, Flüssigseife, Haarfarbe und Feuchttücher auf MIT und MCI prüfen.
- Haushalt: Spül- und Reinigungsmittel mit Handschuhen verwenden und Inhaltsstoffangaben beachten.
- Renovieren: Frisch gestrichene Räume können bei stark Sensibilisierten Reaktionen auslösen, weil MIT aus Wandfarben ausdünstet. Gut lüften und nach MIT-freien Farben fragen.
- Beruf: In Reinigung, Friseurhandwerk oder Metallverarbeitung ist ein Gespräch mit der Betriebsärztin sinnvoll.
Viele Menschen mit MIT-Allergie reagieren zusätzlich auf Duftstoffe, weil ihre Hautbarriere bereits angegriffen ist. Ein Blick auf die Duftstoffallergene in deinen Produkten lohnt sich deshalb. Als Grundausstattung eignet sich ein parfümfreies Duschgel mit kurzer Inhaltsstoffliste, wie es unser Ratgeber zu Duschgel ohne Duftstoffe beschreibt.
Gereizte Haut kann von pflegenden Wirkstoffen profitieren. Panthenol gilt als gut verträglich und unterstützt die Regeneration der Hautbarriere. Urea eignet sich eher für trockene, aber intakte Haut, weil es auf offenen oder entzündeten Stellen brennen kann. Alternativen zu MIT als Konservierer erklärt unser Artikel zu Duschgel ohne Konservierungsstoffe.
Wann zum Hautarzt?
Geh zum Hautarzt, wenn juckende, gerötete oder nässende Ekzeme auftreten, insbesondere an Händen, Augenlidern, Gesicht oder Hals, und diese nach einigen Tagen nicht abklingen. Auch wenn sich Ekzeme nach Renovierungsarbeiten oder dem Kontakt mit Reinigungsmitteln verschlimmern, ist eine Abklärung sinnvoll. Nur ein Epikutantest kann zuverlässig zeigen, ob MIT oder ein anderer Stoff die Ursache ist. Weitere Informationen findest du in unserem Ratgeber zu Allergie gegen Duschgel.
Häufige Fragen
Ist Methylisothiazolinone in Duschgel noch erlaubt?
Ja, in abwaschbaren Produkten wie Duschgel und Shampoo ist Methylisothiazolinone in der EU bis maximal 0,0015 Prozent erlaubt. In Produkten, die auf der Haut verbleiben, ist es seit 2017 verboten.
Wie äußert sich eine Allergie gegen MIT?
Typisch sind juckende, gerötete Ekzeme mit Bläschen oder Schuppung, oft an Händen, Gesicht und Hals. Die Reaktion tritt meist erst Stunden bis zwei Tage nach dem Kontakt auf. Ein Epikutantest beim Hautarzt bringt Klarheit.
Was ist der Unterschied zwischen MIT und MCI/MI?
MIT ist der Einzelstoff Methylisothiazolinone. MCI/MI ist ein Gemisch aus Methylchloroisothiazolinone und Methylisothiazolinone, das ebenfalls stark allergen wirkt und nur noch in abwaschbaren Produkten erlaubt ist.
Kann ich bei MIT-Allergie Naturkosmetik verwenden?
Zertifizierte Naturkosmetik setzt MIT nach den gängigen Standards nicht ein. Viele Naturkosmetik-Produkte enthalten aber ätherische Öle, die ebenfalls Allergien auslösen können. Prüfe deshalb trotzdem jede INCI-Liste.