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Desinfizierendes Duschgel: Wann es sinnvoll ist und wann es schadet

Aktualisiert am von der Redaktion duschgel.net

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Ein desinfizierendes Duschgel, meist als antiseptische Waschlotion bezeichnet, ist für medizinische Situationen gedacht: etwa vor Operationen, zur Sanierung bei MRSA oder bei bestimmten Hauterkrankungen auf ärztlichen Rat. Für die tägliche Körperpflege ist es nicht nötig und kann die Hautflora und Hautbarriere sogar stören. Hier erfährst du, wie solche Produkte wirken und wann ihr Einsatz gerechtfertigt ist.

Was ein desinfizierendes Duschgel von normalem Duschgel unterscheidet

Ein normales Duschgel reinigt mechanisch: Tenside lösen Schweiß, Talg und Schmutz, und beim Abspülen gehen auch viele Keime mit. Die natürliche Hautflora bleibt dabei weitgehend erhalten und erholt sich schnell.

Ein desinfizierendes Produkt enthält zusätzlich antiseptische Wirkstoffe, die Bakterien, teils auch Pilze und Viren, gezielt abtöten oder deutlich reduzieren sollen. Häufig sind solche Waschlotionen so formuliert, dass sie einige Zeit auf der Haut einwirken müssen, bevor sie abgespült werden. Je nach Wirkstoff und Zweckbestimmung werden sie rechtlich als Kosmetikum, Medizinprodukt, Biozid oder Arzneimittel eingestuft.

MerkmalNormales DuschgelAntiseptische Waschlotion
ZielReinigung, Pflege, Duftgezielte Keimreduktion
WirkstoffeTenside, Pflegestoffezusätzlich Antiseptika, z. B. Octenidin oder Polihexanid
Anwendungkurz einschäumen, abspülenoft definierte Einwirkzeit nach Anleitung
Einsatzdauerdauerhaft im Alltagzeitlich begrenzt, meist nach ärztlicher Empfehlung
Wirkung auf die Hautflorageringdeutlich, auch nützliche Keime werden reduziert

Wirkstoffe in antiseptischen Waschlotionen

Octenidin

Octenidin ist ein Antiseptikum mit breitem Wirkspektrum gegen Bakterien, einschließlich MRSA, sowie gegen bestimmte Pilze. Es wird in Krankenhäusern häufig für Ganzkörperwaschungen eingesetzt und gilt als vergleichsweise gut hautverträglich. Waschlotionen mit Octenidin sind in Apotheken erhältlich.

Polihexanid

Polihexanid, in der INCI-Liste auch als Polyaminopropyl Biguanide bezeichnet, wirkt ebenfalls antimikrobiell. Es kommt in Wundspüllösungen und antiseptischen Waschprodukten vor. In normaler Kosmetik ist es als Konservierungsmittel nur in begrenzter Konzentration zugelassen.

Chlorhexidin

Chlorhexidin ist vor allem aus Mundspüllösungen und der Hautdesinfektion bekannt. In Waschlotionen wird es international eingesetzt, kann aber Kontaktallergien und in seltenen Fällen schwere allergische Reaktionen auslösen. Wer schon einmal auf Chlorhexidin reagiert hat, sollte das vor Eingriffen unbedingt angeben.

Früher verbreitete Zusätze wie Triclosan sind in Kosmetik inzwischen nur noch eingeschränkt erlaubt, weil Fragen zur Resistenzbildung und Umweltbelastung aufkamen. Mehr zu Alltagsprodukten mit keimreduzierenden Zusätzen findest du im Bereich antibakterielles Duschgel.

Wann eine desinfizierende Waschlotion sinnvoll ist

Die Einsatzgebiete sind überwiegend medizinisch und werden meist von Ärzten, Kliniken oder Pflegediensten vorgegeben:

In all diesen Fällen gilt: Anwendungsdauer, Einwirkzeit und Häufigkeit richten sich nach ärztlicher Anweisung oder der Gebrauchsinformation.

Warum Alltagsgebrauch der Haut schaden kann

Die Haut ist von Milliarden Mikroorganismen besiedelt, die überwiegend nützlich sind. Sie konkurrieren mit Krankheitserregern um Platz und Nährstoffe und tragen zur Abwehr bei. Tägliche Desinfektion reduziert diese Schutzflora. Die Lücken können dann auch unerwünschte Keime füllen.

Hinzu kommt die Belastung der Hautbarriere. Antiseptische Produkte können bei häufigem Gebrauch die Haut austrocknen, reizen und Kontaktallergien fördern. Gleichzeitig steht der breite Einsatz antimikrobieller Stoffe im Verdacht, die Entwicklung von Resistenzen zu begünstigen. Fachstellen raten deshalb von routinemäßiger Desinfektion im Privathaushalt ab.

Wer im Alltag Wert auf Hygiene legt, ist mit einem milden Duschgel und gründlichem Abspülen gut versorgt. Welche Pflege sich bei Geruchsproblemen eignet, erklärt der Ratgeber Duschgel gegen Körpergeruch.

Keine Lösung bei Pilz, Akne oder Geruch

Desinfizierende Waschlotionen werden manchmal auf eigene Faust bei Hautproblemen ausprobiert. Das ist selten zielführend. Bei Hautpilz sind Antimykotika nötig, nicht allgemeine Antiseptika. Mehr dazu im Beitrag Duschgel bei Hautpilz. Bei Akne hängt die Behandlung von Schweregrad und Ursache ab, und Körpergeruch lässt sich mit der richtigen Routine meist ohne Desinfektion in den Griff bekommen.

Bei trockener oder empfindlicher Haut verschlimmert eine antiseptische Lotion die Situation oft. Hier ist ein mildes Syndet die bessere Basis.

Richtig anwenden, wenn es ärztlich empfohlen ist

  1. Lies die Gebrauchsinformation und halte die angegebene Einwirkzeit ein.
  2. Wasche den ganzen Körper einschließlich Hautfalten, Achseln und Leisten. Bei MRSA-Sanierung gehören oft auch die Haare dazu.
  3. Verwende für jede Waschung frische Handtücher und Waschlappen und wechsle Kleidung und Bettwäsche nach Vorgabe.
  4. Vermeide Kontakt mit Augen, Ohren und Schleimhäuten, sofern das Produkt dafür nicht ausdrücklich geeignet ist.
  5. Beende die Anwendung nach dem vorgesehenen Zeitraum und kehre dann zu einem milden Duschgel zurück.

Wann ärztlicher Rat nötig ist

Wende dich an deine Arztpraxis, wenn unter einer antiseptischen Waschlotion Rötungen, Brennen, Bläschen oder Juckreiz auftreten. Bei Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Kreislaufbeschwerden nach der Anwendung handelt es sich um einen Notfall. Auch wiederkehrende Hautinfektionen, eitrige Stellen oder Fieber gehören in ärztliche Hände und nicht in die Selbstbehandlung.

Häufige Fragen

Ist desinfizierendes Duschgel für jeden Tag geeignet?

Nein. Antiseptische Waschlotionen sind für zeitlich begrenzte medizinische Anwendungen gedacht. Täglich verwendet, können sie die nützliche Hautflora reduzieren, die Haut austrocknen und Allergien fördern. Für den Alltag reicht ein mildes Duschgel.

Wann sollte man mit antiseptischer Waschlotion duschen?

Typische Anlässe sind die Vorbereitung auf eine Operation, eine MRSA-Sanierung oder bestimmte Situationen mit geschwächtem Immunsystem. Meist geben Klinik oder Arztpraxis die Anwendung vor. Ohne medizinischen Grund ist sie nicht nötig.

Was ist Octenidin?

Octenidin ist ein antiseptischer Wirkstoff, der gegen viele Bakterien einschließlich MRSA und gegen bestimmte Pilze wirkt. Er wird häufig in Krankenhäusern für Ganzkörperwaschungen eingesetzt und gilt als vergleichsweise gut verträglich. Produkte mit Octenidin gibt es in der Apotheke.

Hilft desinfizierendes Duschgel gegen Hautpilz?

Nicht zuverlässig. Allgemeine Antiseptika ersetzen keine Behandlung mit Antimykotika, die gezielt gegen Pilze wirken. Bei Verdacht auf Hautpilz solltest du dich in der Apotheke oder beim Arzt beraten lassen.